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Juni 14th 2022

Inflation und steigende Kartenkosten: Europäische Händler spüren die Auswirkungen der Inflation

Im April 2022 erreichte die Inflation in der Eurozone ein Rekordhoch von 7,5 % – der Markt war zwischen anhaltenden Energiekrisen, gesenkten Wirtschaftswachstumsprognosen und großflächigen Störungen der Lieferketten gefangen. Aber wenn die Margen der Händler von allen Seiten bedrängt werden, gilt das dann auch für ihre Payment-Partner?

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Die steigenden Kosten der Zahlungsabwicklung

Gegenwärtig zahlen Unternehmen für die Annahme von Kartenzahlungen eine Gebühr (die sogenannte Merchant Service Charge oder MSC). CMSPI schätzt, dass die Erhöhung der nicht regulierten Komponente dieser Gebühr, der sogenannten „Scheme Fee“, in den letzten 7 Jahren zusätzliche jährliche Kosten für die europäischen Händler in Höhe von 1,46 Milliarden Euro verursacht hat. In der Tat deuten unsere Daten darauf hin, dass die durchschnittliche Gebühr für die Annahme von Kartenzahlungen in Europa jetzt höher ist als noch vor der Gebührenregulierung im Jahr 2015.

Das Problem sind nicht nur die Kosten, sondern auch die Komplexität. Gerade als Händler glaubten, das Schlimmste bei der Umsetzung der Online-Vorschriften für die starke Kundenauthentifizierung überstanden zu haben, änderte sich im März und April die Art und Weise, wie die Gebühren für die Verwendung von 3D Secure – der von den globalen Kartenmarken für die Einhaltung der SCA-Vorschriften gewählten Technologie – erhoben werden: Statt wie bisher per-item wurden nun prozentuale Gebühren erhoben, und es kamen neue Gebühren für Dienste wie die Adressverifikation hinzu. Die internationalen Gebühren haben sich ebenfalls geändert: Online-Händler müssen ab Oktober 2021 bzw. April 2022 bei Transaktionen zwischen dem Vereinigten Königreich und dem EWR das 5-fache der Interbankenentgelte zahlen.

Diese Gebühren haben die Online- und internationalen Kanäle im Zuge der Pandemie schwer erschüttert. Und als ob das noch nicht genug wäre, werden einige der teuersten Online-Zahlungsmethoden des Marktes, wie z. B. „Buy Now Pay Later“, voraussichtlich noch beliebter werden, da die Inflation den Geldbeutel strapaziert.³

Wer profitiert von der Inflation?

Für Kunden und Händler kann sich die Inflation wie ein Spiel anfühlen, bei dem man nur verlieren kann. Aber im Segment der Kartenzahlungen können die vielen prozentualen Gebühren, die den Unternehmen in Rechnung gestellt werden, bedeuten, dass ein höherer durchschnittlicher Transaktionswert gleichbedeutend mit höheren Einnahmen für deren Lieferkette ist (Abbildung 1). Das Ungleichgewicht ist bereits vorhanden; eine Analyse der Finanzdaten der großen Kreditkartenunternehmen zeigt, dass die Gewinnmargen im Durchschnitt bei über 50 % liegen⁴, während sie in Einzelhandelsbranchen wie dem Lebensmitteleinzelhandel durchschnittlich nur 1,11 % betragen.⁵ In der Tat wurde der CEO eines der Schemes in seinem Q2 Earnings Call mit den folgenden Worten zitiert: „Netto-Netto war die Inflation in der Vergangenheit stets ein Gewinn für uns“.⁶ Angesichts der drohenden inflationsbedingten Gebührenerhöhungen müssen die Händler daher unbedingt darauf achten, die Wettbewerbsbedingungen mit ihren Zahlungspartnern auszugleichen.

Abbildung 1. Anschauliches Beispiel: wie die Kartengebühren im Einklang mit der Inflation steigen, während die Gewinnspannen schrumpfen.

Kunden binden bei steigender Inflation

Neben den steigenden Transaktionsgebühren ist der schwerwiegendste Kostenpunkt im Zahlungsverkehr der Verlust eines guten Kunden. Beide Kräfte üben einen oft nicht quantifizierbaren Druck auf die Gewinnmargen des Handels aus. Händler betrachten Payment zunehmend unter diesem Gesichtspunkt, denn es geht nicht nur um den Verkauf, sondern um potenziell lebenslange Kunden.

Untersuchungen zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, an einen bestehenden Kunden zu verkaufen, bis zu 14 Mal höher ist als die Wahrscheinlichkeit, an einen neuen Kunden zu verkaufen.⁷  Diese Bestandskunden probieren mit 50 % höherer Wahrscheinlichkeit neue Produkte aus und geben im Durchschnitt 31 % mehr aus, was bedeutet, dass sich die Kundenbindungsraten unverhältnismäßig stark auf die Rentabilität auswirken können.⁸

Angesichts dieser dringenden Notwendigkeit, Kunden zu gewinnen und zu binden, ist es umso enttäuschender, wenn der Zahlungsverkehr ein Hindernis darstellt. CMSPI schätzt, dass im Jahr 2021 in Europa Umsätze im Wert von über 25 Milliarden Euro fälschlicherweise abgelehnt wurden, was treue Kunden dazu veranlasst, bei Wettbewerbern einzukaufen, die nur einen Mausklick weit entfernt sind.

Wie Unternehmen den Druck reduzieren können

Heutzutage kann der Zahlungsverkehr, nach den Personalkosten, der zweitgrößte Kostenfaktor eines Händlers sein.⁹ Während die Inflation um sich greift, werden die Händler von allen Seiten unter Druck gesetzt und ein immer größerer Teil ihrer Einnahmen fließt in eine Lieferkette, die weiterhin dieselben Aufgaben erfüllt wie zuvor. Das heißt aber nicht, dass sie nichts tun können. Viele der von den Händlern zu zahlenden prozentualen Gebühren werden als „Durchlaufgebühren“ betrachtet, was bei den Händlern den Eindruck erweckt, dass sie nicht verhandelbar sind und konsequent angewendet werden. Das ist nicht immer der Fall; zusätzliche Möglichkeiten finden sich in jedem Teil der MSC – und das ohne Berücksichtigung der Fehler, die CMSPI in schätzungsweise 50 % der geprüften Rechnungen findet.

Das Gleiche gilt für die Kundenbindung. Auch im Jahr 2022 bleibt der Zahlungsverkehr die oft ungenutzte Schnittstelle, die darüber entscheidet, ob auch der letzte Verkauf erfolgreich ist. Die Nutzung der Vorteile erfordert jedoch eine datengestützte Analyse aller Elemente, vom optischen Erscheinungsbild einer Zahlungsseite bis hin zu den Sicherheitsregeln der kartenausstellenden Banken, die möglicherweise übermäßig viele Transaktionen am jeweiligen Ende des Prozesses ablehnen. All diese Unwägbarkeiten können dazu führen, dass Einsparungen auf der Strecke bleiben und treue Kunden unwissentlich zu einem Konkurrenten abwandern. Angesichts des enormen Drucks, der auf dem Handel lastet, ist es nun an der Zeit, dass Händler ihren Zahlungsverkehr optimieren, jetzt wo sie – und ihre Kunden – es am meisten brauchen.

Quellen
  1.  CNBC.
  2. Euronews.com.

  3. Fintechmagazine.com.

  4. Visa Annual Report.

  5. Pages.stern.nyu.edu.

  6. Fool.com.

  7. Forbes.com.

  8. Forbes.com.

  9. National Retail Federation.